6Fortſchritt und Menſchenwohl“ zu beſprechen, da bei ihm Herderseben erſchienenen„Ideen über Einrichtung und Freiheit des menſch⸗lichen Geſchlechtes“ lebhaftes Intereſſe fanden. Herder iſt ſo ſehrvon des Markgrafen natürlicher Art angetan, daß er ihn rühmt als„den erſten Fürſten, den er ganz ohne Fürſtenmanieren gefunden,den beſten, der vielleicht in Deutſchland lebe.“Der Markgraf legte großen Wert darauf, Herder auch als Pre⸗diger kennen zu lernen, und da dieſer dem Wunſch des Fürſten, aneinem Sonntag in der Schloßkirche zu ſprechen, nicht nachkommenkonnte, ſo predigte er dort in einem außergewöhnlich auf einenWochentag angeſetzten Gottesdienſt über das Thema„Die Beſtim⸗mung des Menſchen“. Den Karlsruhern von damals gefielen indes„die Pracht- und Prunkpredigten“ ihres beredtſamen Oberhofpredi⸗gers Walz weit beſſer, als die ſchlichtere, natürlichere Art Herders.Karl Friedrich aber verſtärkte nur noch ſeine hohe Meinung vonHerder und zeigte das, als er viele Jahre ſpäter, 1787, den Gedankenfaßte, eine„vaterländiſche Stiftung für den Allgemeingeiſt Deutſch⸗lands“ ins Leben zu rufen, nicht nur darin einen Gelehrtenhof zubilden, ſondern eine Gemeinſchaft der geſamten deutſchen Bildung.Damals wandte ſich Karl Friedrich an Herder, ihm in der Ausfüh⸗rung dieſes Planes behilflich zu ſein, und Herder ſäumte nicht mitder weiteren Ausarbeitung des Programms dieſer großen deutſchenAkademie, deren Inslebentreten dann aber das Echo des Baſtille⸗ſturms und die weiteren Kriegs- und Schreckensjahre verhinderten.Bei ſeinem erſten Aufenthalt in Karlsruhe war es, wo Herderſich entſchloß, ſeine Verbindung mit dem holſteiniſchen Prinzen zulöſen und zur Heilung ſeines Augenleidens nach Straßburg zu gehen.Dieſer Entſchluß führte ihn dort mit dem jungen Goethe zuſammen,und es iſt bekannt, wie groß ſein künſtleriſcher Einfluß als Wieder⸗erwecker des deutſchen Volksliedes auf Goethe jetzt werden ſollte.In Karlsruhe aber ſah man Herder dann auf der Rückreiſewieder. Hier las er Klopſtocks Oden, an denen er ſich begeiſterte undfand, ſo ſchreibt er in einem ſeiner Briefe,„in der Einſamkeit desWaldes und in der Abenddämmerung die Sammelplätze ſeiner zer⸗ſtreuten Gedanken.“Die Begeiſterung Herders für Klopſtock, deſſen Oden und Meſſias⸗dichtung eine ſchwärmeriſche Verehrung in allen deutſchen Landenwachgerufen, ſah beim Markgrafen Karl Friedrich eine bereite Stätte.Dies um ſo mehr, als der Markgraf, eine ohnehin religiös AneenegteNatur, in dem Dichter der ernſten Geſänge von dem Leben und Leidendes Meſſias auch in dieſer Hinſicht eine verwandte Seele fühlte. Undals einige Jahre darauf der Lübecker Böckmann, ein Freund Klopſtocks,als Profeſſor der deutſchen Literatur und der Phyſik an das Karls⸗ruher Lyceum berufen worden war, ließ Karl Friedrich Klopſtock durchdieſen auffordern, nach Karlsruhe zu kommen. Der Dichter, welcherbis dahin in Kopenhagen einen däniſchen Jahresgehalt bezog, derihm vom Miniſter Graf Bernſtorff vermittelt worden, war nach demSturz ſeines Gönners nach Hamburg gezogen und lebte dort viel um⸗huldigt. Aber das Anerbieten des badiſchen Markgrafen mußte ihm