bei ſeinen mangelnden Exiſtenzmitteln doch recht verlockend erſcheinen, denn es ſicherte ihm, ohne daß es ihm Pflichten auferlegte, neben ſeiner Beſtallung als Hofrat eine gute Beſoldung in Bar und Naturalien, darunter, was den Karlsruhern beſonders in die Naſe ſtach, ein Faß alten Markgräfler Weins. Zugleich ſchrieb der Markgraf an Klop⸗ ſtock, daß er ſich freue, ihn bald perſönlich kennen zu lernen und den Dichter der Religion und des Vaterlandes in ſeinen Landen zu haben. Er geſteht ihm dabei einen uneingeſchränkten Aufenthalt, ohne Bin⸗ dung an Karlsruhe ſelbſt, zu, ſodaß Klopſtock dankerfüllt die Einladung annahm, in welcher der badiſche Fürſt das Leben des großen Dichters ſorgenlos zu geſtalten dachte. So reiſte denn Klopſtock im September 1774 nach Karlsruhe und fand hier beim Markgrafen die freundlichſte Aufnahme. Seine Woh⸗ nung hatte er im Hauſe des Kirchenrats Böckmann und noch bezeichnet eine Marmortafel an dem Hauſe Ecke der Kronenſtraße und des Zirkels, da, wo jetzt der Gaſthof zumKronprinzen ſich auftut, die Karlsruher Wohnung des Dichters. So groß war der Klopſtock⸗ Enthuſiasmus jener Tage, daß der Literat Afſprung in Ulm zu Fuß die weite Wanderung nach Karlsruhe machte, um hier, be⸗ glückt von des Dichters leutſeligem Weſen, fünf Tage lang alle Zeit, die Klopſtock nicht bei Hofe zubringen mußte, um ihn ſein zu dürfen. Dabei gab auch der Markgraf ſich wieder in ſeiner ganzen freund⸗ lichen Art zu erkennen. Er hatte von Afſprungs begeiſterter Wan⸗ derung gehört, ließ ihn zu ſich rufen, unterhielt ſich herzlich mit ihm und lud ihn auf den Abend zur Teilnahme am Hofkonzert ein. Af⸗ ſprung erſcheint auch und zwar in ſeinem Wanderanzug inmitten der in Gala prunkenden Hofgeſellſchaft, die über dieſen Menſchen in ſeinem ſo wenig zeremoniellen Rocke entrüſtet iſt. Schon iſt Afſprung darauf gefaßt, von einem ihn ſcharf fixierenden Hofherrn vor die Türe gewieſen zu werden, da bemerkt ihn der Markgraf und ſendet einen ſeiner Prinzen an Afſprungs Seite, der nun durch die freundliche An⸗ ſprache der Durchlaucht trotz ſeines Wanderrockes in den Augen des Hofſtaates wiederehrlich gemacht wird. Klopſtock ſelbſt hatte bei Hofe und in der Bürgerſchaft nicht nur Freunde. Denn gar viele ärgerten ſich darüber, daß dieſer Dichter für ſein ſcheinbares Nichtstun Titel und Gehalt und einen ſo arg guten Edelwein bezog. Auch das wurde beſprochen, daß der Mark⸗ graf, der das Geſpräch mit Klopſtock liebte, ihn des öfteren in ſeiner Wohnung aufſuchte und ſich ſtundenlang mit ihm unterhielt, wobei der Dichter in Schlafrock und Mütze bleiben und es ſich in jeder Art bequem machen mußte. Ein gelehrter höfiſcher Memoiren⸗ ſchreiber jener Tage gibt denn auch ſeinem Verdruß über Klopſtocks Benehmen, über ſeine genialiſchen Eigenſchaften, ſeine Rechthaberei und auch darüber Ausdruck, daß ſeine Unterhaltung unerträglich lang⸗ weilig geweſen ſei. Aber Klopſtock muß wohl gewußt haben, wie er gegen jeden ſein Benehmen einrichtete, denn der Darmſtädtiſche Prin⸗ zenlehrer Peterſen, der bei einem Karlsruher Beſuch durch Klopſtocks Simplizität und Anmut im Umgang ebenſo entzückt war, wie durch ſeinedurchdachten Kenntniſſe und reifen Arteile, ſchreibt:Da Klopſtock nicht kriecht, ſich nicht ſo tief bückt, nicht jeden Augenblick