mit dem Wort„Durchlaucht“ um ſich wirft, ſondern öfters„Sie“ zuſagen ſich unterſteht, ſo wird ihm von dem größten Teil der Hofleutedie gute Lebensart abgeſprochen.“ And der feinſinnige, auch poetiſchwirkſame Knebel, der damals mit dem Prinzen Karl Auguſt von Wei⸗mar, auf deſſen Brautreiſe zur Prinzeſſin Luiſe von Darmſtadt, inKarlsruhe weilte, ſchreibt über den Eindruck, den Klopſtock auf ihnmachte, an Goethe nach deſſen eigener Erzählung„herrliche Worte“.Ebenſo wie der andere Buſenfreund Goethes, der Düſſeldorfer Fried⸗rich Heinrich Jacobi, der Klopſtock in Karlsruhe aufſuchte, gegen Wie⸗land bemerkt: er habe in ihm einen Menſchen erkannt, den er liebenund hochachten müſſe.Inzwiſchen brachten Klopſtock die Erfahrungen des Winters aufden Gedanken, jedenfalls im Frühjahr— wie er meinte, nur vor⸗übergehend— wieder nach Hamburg zu fahren, da ja ſeine mark⸗gräfliche Beſtallung ihm geſtattete, ſeinen Gehalt, wo er wollte, zuverzehren. Und als dann im März unvermutet ſein Bruder, der zu⸗letzt däniſcher Legationsſekretär in Madrid geweſen war, durch Ra⸗ſtatt kam, wo damals Klopſtock mit dem Hofe weilte, entſchloß er ſichnoch nach der Abendtafel im Schloſſe, ohne weiteres Beſinnen undohne ſich durch großes Abſchiednehmen aufzuhalten, mit ſeinem Bru⸗der am nächſten frühen Morgen abzufahren.Das iſt dem Dichter natürlich ſehr verdacht worden. Nur derMarkgraf, der Klopſtock verſtand, blieb ihm gleich wie ſonſt gütiggeſinnt, blieb mit ihm in Briefwechſel und beſuchte ihn perſönlich inHamburg. Der Karlsruher Memoirenſchreiber jener Zeit ſpottetefreilich über Klopſtocks Empfindlichkeit und erhoffte wenigſtens, daßder Dichter ſich mit einer Dichtung auf den Markgrafen oder aufKarlsruhe revanchiere. Die, meint er, müſſe ſehr ſchön werden, wennder gute Markgräfler Beſoldungswein einmal recht wirken werde.Auch der Dichter hielt die Güte des Fürſten bis an ſein Ende hoch. Inſeiner letzten Krankheit begeiſterte er ſich noch an des MarkgrafenKundgebung zur Aufhebung der Leibeigenſchaft und in den Träumendes ſterbenden Sängers des Meſſias erſchien ihm, wie er bei einemErwachen erzählte, das Bild des Markgrafen von Baden in einemunermeßlichen Raume. Das war im März 1803. Wenige Jahreſpäter war aus dem Markgrafen der Großherzog von Baden geworden.6*Ein halbes Jahr darauf, nachdem Klopſtock Karlsruhe verlaſſenhatte, erhielt Hof und Stadt einen anderen denkwürdigen Dichter⸗beſuch: der ſtrahlende junge Goethe, deſſen Götz von Berlichingen inden Köpfen der Jugend rumorte und deſſen„Werther“ die Herzenin Entzücken und Erregung verſetzte, kam in Begleitung der beidenals Dichter wohlbekannten Grafen Stolberg und ihres FreundesBaron Haugwitz, des ſpäteren preußiſchen Miniſters, nach Karlsruhe.Eine ſeltſame Geſellſchaft, vorab die Stolbergs. Sie waren die Ver⸗treter der zur Mode gewordenen wildpathetiſchen Bardenpoeſie, inder die Dichtungsart der irrtümlich auch bei den Germanen voraus⸗geſetzten alten keltiſchen Sängerkaſte der Barden nachgeahmt wurde.