Nummer 83

Donnerstag, 10. Juli i9o2

Eines Mannes Weg und Werk

Fabrikant Wilhelm Schöpflin f

Haagen L W. In seinem Heim in Haagen , von . Daseins lebenswert zu machen. Im Jahre 1937 wo aus er in allernächster Nähe den Rhythmus übernahm er das bedeutende Werk, die Firma

und Pulsschlag seines Lebenswerkes bis in die leisten Tage verfolgen konnte, verstarb am Dienstagvormittag der weithin bekannte Fa­brikant Wilhelm Schöpflin kurz vor Voll­endung seines 71. Lebensjahres. Still und leise trat der Tod an das seit längerer Zeit dauernde Krankenlager dieses Mannes, dessen Tatkraft und Untemehmergeist zu einem Begriff in der alemannischen Heimat und weit darüber hinaus geworden sind.

Die Nachricht von Seinem Hinscheiden hat weithin Trauer ausgelöst. Sie galt dem schöp­ferischen Menschen, der sein Leben lang seine ganze Kraft in den Dienst seiner beiden Werke, der Textilmanufaktur Haagen, Wilhelm Schöpf­ lin in Haagen und der Gebrüder Großmann GmbH, in Brombach , gestellt hat. Er hat durch seine Initiative den Wiesentaler Web waren im ganzen deutschen Bundesgebiet Ansehen und Geltung verschafft und durch sein Planen, Ge­stalten und Handeln vielen Tausenden Arbeit und Brot gegeben.

Wilhelm Schöpflin wurde am 26. September 1881 als Bauernsohn in -Haagen im Wiesental geboren. Er war Schüler der Volksschule Haa­ gen und später des Hebelgymnasiums in Lör­ rach . Absolvierte seine kaufmännische Lehre bei der damaligen Firma Gebrüder Großmann in Brombach , erwarb weitere Kenntnisse in einem Basler Speditionsgeschäft und in der französischen Schweiz , kehrte von dort aus wie­der in das Tal seiner Heimat zurück, verhei­ratete sich mit Frau Wilhelmine geh. Sütterlin, errichtete ein Gemischtwarengeschäft, dem er eine Abteilung des Großhandels anschloß. Die­sem Engros-Geschäft gliederte sich in den Jah­ren 1929/30 ein Versandgeschäft der Wiesentäler Webwaren an und legte damit das Fundament zu seinem erfolgreichen Unternehmen.

Zu derselben Zeit schlossen sich die Werktore großer Fabriken. Die Krise der Textilindustrie trat in Arbeitslosigkeit sichtbar in Erscheinung. Die Räder standen still und eine graue Hoff­nungslosigkeit lag über den Menschen. Da setzte die Initiative Wilhelm Schöpflins ein. — Durch die vielen Aufträge war er in der Lage, die Werke wieder zu beschäftigen und vielen hoffnungslosen Menschen wieder den Sinn des

4. Deutsche Handwerks messe in München

fünf HaUen und 20 000 qm Freigelände haben die 1300 Aussteller aus allen Handwerkszweigen mit ihren neuesten und besten Erzeugnissen angeraut, die dem Besucher einen Überblick über das mo­derne Schaffen in Handwerksstuben und Werk­stätten vermitteln. An der Leistungsschau betei­ligen sich auch Vertreter der Länder England, Frankreich , Italien , Spanien , Belgien , Iran und Türkei . Oie 10 Tage dauernde >fesbe ist die be­deutendste der Nachkriegszeit. Unser Bild zeigt Bundeswlrtschaftsmlnlster Prof. Erhard beim Rundgang, auf dem er in Anbetracht der hoch- sommerUchen Hitze besonderes Interesse an Stroh­hüten zeigte

Gebrüder Großmann. Oft rang er in aller Stille um diese großen, weittragenden Entschlüsse, die von ihm das Höchste an Wagemut und Untemehmergeist verlangten. In diesem Planen und Gestalten standen seine Frau und seine beiden Söhne in Treue und Fleiß ihm zur Seite.

Der -Zweite Weltkrieg rief seine beiden Söhne zu den Waffen-, auf ihm ruhte die Last jener endlosen Jahre des Niederganges bis zum völ­ligen Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft- Diese, seine härteste Probe, bestand er mit der Zähigkeit des echten Alemannen; als seine bei­den Söhne wieder aus dem Krieg zurückkehrten und seine übrigen treuen Mitarbeiter sich wie-, der um ihn scharten, ging er unverdrossen wie­der an den Wiederaufbau. Am Abend seines Lebens konnte er getrosf die Leitüng der beiden Werke in die Hände "seiner Söhne legen. Alles war fest gegründet und fest gefügt. Trotzdem er von der Morgenfrühe bis zur mitternächtlichen Stunde im Pfliehtenkreis seines Alltags stand, bewahrte er sich ein Herz voller Güte und Ge­müt auch für andere.

Ihn erfreuten Werke der schönen Kunst und die Musen hatten bei ihm immer Heimrecht. Er war ein Förderer der Dichter und Maler, der Kunsthandwerker und Sammler. Die Gastlich­keit seines Hauses war weithin bekannt und seine Türe stand auch dem einfachen Manne aus dem Volke immer offen. In vielen Mil­lionen Exemplaren von Druckschriften fging sein Name weit in den kleinsten Winkel Deutschlands hinaus.

Still und leise dagegen floß ein Segen ^un­sichtbar und ohne Namen durch seine Hände an viele, denen Rat, Hilfe und Fürsorge er in hohem Maße angedeihen ließ. Seine Heimat­gemeinde Haagen ehrte ihn mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft und vielen Vereinen und Gesellschaften war er Freund und Gön­ner. Er hatte im wahrsten Sinne des Wortes ein Herz für andere und entzog sich nie der Verantwortung, die ihm vom Schicksal auf­getragen war. Zeitlebens war er seiner ale­mannischen Heimat in Liebe und Treue ver­bunden und die Trauer um ihn ist daher ver­ständlich.

Sein Name ist zu einem Begriff geworden und seine Heimat wird in Dank und Wert­schätzung seiner gedenken.

FaAprüfung bei den Sparkassen In der Woche vom 16. bis 21. Juni fand beim Sparkassen- und Giroverband in Freiburg eine Fachprüfung für den mittleren Sparkassen­dienst statt. Der Prüfung haben sich insgesamt 100 Sparkassenbedienstete der südbadischen öffentlichen Sparkassen unterzogen, nachdem j die Prüfungsanwärter an einem nebenamtlichen j Vorbereitungskursus teilgenommen hatten.

Von den Prüflingen konnten 10 Anwärter mit I der Note „gut“, 56 mit der Note „befriedigend“ ! und 27 mit der Note „ausreichend“ bestehen. | Bei dieser 2. Fachprüfung für den mittleren > Sparkassendienst in Südbaden nach dem Krieg war eine große Zahl von Kriegsteilnehmern 1 und auch Spätheimkehrem beteiligt, so daß das Durchschnittsalter der Kandidaten verhältnis­mäßig hoch lag. Jedenfalls konnten durch die Lehrgänge die Kriegsteilnehmer und Spätheim­kehrer so gefördert werden, daß sie die Prü­fung mit den genannten, im ganzen befriedi­genden Ergebnissen bestanden.

Der Führerschein ist kein Freibrief

Rücksichtslose' Fahrer verlieren ihre Fahrerlaubnis

Freiburg . Die Abwicklungsstelle des südbadi­schen Innenministeriums hat die unteren Ver­waltungsbehörden angewiesen, künftig bei der Beurteilung von Fällen leichtsinnigen oder rück­sichtslosen Verhaltens im Straßenverkehr oder bei wiederholten Verstößen gegen die Verkehrs- vorschriften einen strengen Maßstab anzulegen. Fahrern, die erkennen lassen, daß sie die Stra­ßenverkehrsordnung nicht beherrschen oder nicht beachten wollen, soll ohne Nachsicht die Fahrerlaubnis entzogen Werden. Von dem Ent­zug der Fahrerlaubnis soll in entsprechend ge­lagerten Fällen nur abgesehen werden, wenn ein Kraftfahrer in einer Prüfung durch den

amtlich anerkannten Sachverständigen -fiach- weist, daß er die Verkehrsvorschriften nunmehr gut beherrscht. In der Prüfung sollen hohe An­forderungen gestellt werden. Fahrern, die unter Alkoholeinfluß standen oder Fahrerflucht be­gangen haben, soll der Führerschein grundsätz­lich entzogen werden.

Die Abwicklungsstelle des Innenministeriums ist der Ansicht, daß durch diese Maßnahme die Verkehrssicherheit erhöht werden kann, weil sie die Kraftfahrer veranlassen dürften, sich eingehend mit den Bestimmungen der Straßen­verkehrsordnung zu befassen.

Dorfpolizei zur Entlastung der Gendarmerie

41 badisdie Gemeinden Haben wieder eine Gemeindeschutzpolizei

Freiburg . Die südbadischen Gemeinden mit einer Einwohnerzahl zwischen 2000 und 15 000 gehen immer mehr dazu über, sich eine eigene Gemeindeschutzpolizei aufzubauen. 41 Gemein­den haben inzwischen schon Gemeindepolizisten eingestellt. Eine von ihnen verfügt nun über sechs, andere verfügen über fünf, drei und die meisten sogar nur über einen oder zwei Ge­meindepolizisten. 16 weitere Gemeinden haben die Genehmigung «halten, eigene Polizeibeamte einzustellen.

Die Gemeindeschutzpolizei, die es in Baden auch vor dem Kriege gab, war 1945 auf Befehl der Besatzungsmacht abgeschafft worden. Wäh­rend in der amerikanischen Zone beim Wieder­aufbau der Polizei das Schwergewicht auf der Gemeindepolizei lag, hat die Besatzungsmacht in der französischen Zone die staatliche Polizei bevorzugt. Sie ging davon aus, daß eine zentral geleitete Polizei leichter zu kontrollieren ist und nahm den Aufbau der französischen, rein staat­lichen Polizei, zum Vorbild.

Die badischen Gemeindeschutzpolizisten sind Gemeindebeamte, doch hat der Staat bei ihrer Ausbildung und Uniformierung ein gewisses Mitspracherecht. Die Kandidaten werden im all- genÄinen in der Landespolizeischule Waldshut ausgebildet. Die Staatliche Polizeiverwaltung begrüßt die Wiedereinführung der Gemeinde­schutzpolizei, weil dadurch die Gendarmerie, insbesondere in Bagatellsachen, entlastet wird.

Vergehen und Verbrechen werden jedoch von den Gemeindepolizisten nicht bearbeitet.

Mehr arbeitslose Frauen als im Vorjahr

Ende Juni betrug die Gesamtzahl der Ar­beitslosen in Südbaden noch 8561, darunter 4782 Männer. Seit dem 15. Juni nahm die Zahl der arbeitslosen Männer um 395 ab und die der arbeitslosen Frauen um 280 zu. Diese Zunahme Ist hauptsächlich auf geringere Beschäftigungs­möglichkeiten in der Textilindustrie und im Bekleidungsgewerbe zurückzuführen. Die Ab­nahme der Zahl der arbeitslosen Männer ist besonders dem Baugewerbe und dem Hotel- und Gaststättengewerbe zu verdanken, in dem jetzt teilweise sogar Mangel an geeigneten Ar­beitskräften herrscht. Im Jahre 1951 belief sich die Gesamtzahl der Arbeitslosen am 30. Juni auf 9978: 6687 Männer und 3391 Frauen. Die arbeitslosen Frauen haben also innerhalb eines Jahres in Südbaden um 388 zugenom­men, da die Textilindustrie nicht mehr genü­gend Arbeit für sie hat.

Für die nächste Zeit ist auch mit einer Zu­nahme der männlichen Arbeitslosen zu rech­nen, da die. Flugplatzbauten ihrer Fertigstel­lung entgegengehen und es fraglich ist, ob alle dann zur Entlassung kommenden Arbeitskräfte sogleich neue Arbeitsplätze erhalten können.

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Fast menschenleer ist die abendliche Straße. In Gedanken versunken geht eine Frau auf dem Gehsteig. Hinter ihr, in der gleichen Richtung, fährt ein großer Pkw. Fast lautlos. Plötzlich gibt der Fahrer Gas, daß der Kompressor laut auf- heu\t und der Wagen mit einem Sprung davon­rast. Als die Frau den Heulton hört, bleibt sie einen Moment ganz erstarrt stehen; dann wirft sie sich flach auf die Erde und vergräbt den Kopf zwischen den Armen. Reglos bleibt sie so liegen. Ein des Weges kommender Passant beugt sich über die Frau, versucht sie aufzuheben: „Ist Ihnen etwas passiert? — Ist Ihnen schlecht ge­worden?“ redet er auf sie ein, die langsam auf- steht. Ganz verstört bildet sie sich um: „Ach so, das war ja gar nicht —“ stammelt sie. „Vielen Dank. Wissen Sie — das Heulen — komisch, wie man so dumm sein kann — nach soviel Jahren. Ich bin nämlich aus Hamburg .“ Konto

WWM

Falschgeldmünzer-Grtippe ausgehoben

Wie wir bereits berichteten, konnte durch den schlagartigen Zugriff amerikanischer Geheim­polizei und deutscher Kriminalbeamter in der Nacht zum Sonntag in West-Berlin eine Falsch­münzergruppe festgesetzt werden, die den Drude amerikanischen Besatzungsgeldes ln Zehn-Dollar- SGheinen vorbereitet hatte. Unser Bild: Rechts Kurt Zabel, links Alphons von Tempskl, die als Hauptakteure der Falschmünzergruppe festgenom­men wurden.

Blitz äscherte Fabrikgebäude ein Stuttgart . Bei einem Gewitter, das am Diens­tag über Südwestdeutschland hinwegzog, schlug der Blitz in einen Lagerschuppen einer Asbest- und Gummifabrik in Weil im Schönbuch. Der Brand äscherte den 25 Meter langen bis unter das Dach mit Baumwolle und Asbest gefüllten Holzschuppen in einer halben Stunde völlig ein, wobei ein Sachschaden von einer halben Million DM entstand. Die Gewitter, die sich zum größ­ten Teil mit kurzen, aber heftigen Regenfällen entluden und von starken Böen begleitet wa­ren, brachten eine erhebliche Abkühlung. Tn Stuttgart sank die Temperatur von 31 auf 21 Grad. In verschiedenen Gegenden der Rhein­ebene entstanden beträchtliche Unwetterschä­den. Bei Schiltigheim kam ein Feuerwehrfahr­zeug, das zu einer Brandstelle unterwegs war, ins Schleudern und prallte gegen einen Baum. Dabei wurde ein Feuerwehrmann schwer ver­letzt.

Albert Haueisen Ehrenbürger der Karlsruher Akademie Karlsruhe. Der Altmeister der Südwestdeut­schen Malerei, Albert Haueisen , der in Jockring (Pfalz ) wohnt und am Montag seinen 80. Ge­burtstag feierte, ist von der Karlsruher Akade­mie zum Ehrenbürger ernannt worden.

Hanna Reitsch Vierte im Segelflug Madrid . In der Gesamtwertung der Segelflug­weltmeisterschaften in Madrid ergibt sich nach dem dritten Wettbewerb, der Geschwindigkeits­prüfung, folgender Stand:

Einsitzer: 1. Pierre (Frankreich ) 2624 Punkte. 2. Wills (England) 2616. 3. Ordelmann (Holland ) 2415. 4. Forbes (England) 2392. 5. Cuadrado (Argentinien ) 2665. 6. Gehringer (Schweiz ) 2140. Placierung der Deutschen nicht bekannt.

Zweisitzer: 1. Juez (Spanien ) 2817. 2. Beuby (USA ) 2124. 3. Rasmussen (Dänemark ) 2101. 4. Hanna Reitsch (Deutschland) 2024. 5. Mantelli (Italien ) 2019. 6. Emst Frowein (Deutschland) und Kaava (Finnland ) beide 2013. 8. Vicent (Spanien ) 1622. 9. Koek (Holland ) 1413. 10. Heinz Hensche (Deutschland) 1398.

Sommertag in Laufenburg

Es lohnt sich für jeden, der die Straße am Hochrhein entlang fährt, das Städtchen Laufen­ burg nicht achtlos an der Seite liegen zu lassen, sondern seine Fahrt zu unterbrechen. Der Ort gehört zu den malerischsten am Hochrhein . Wir sind die vom Berg zum Rhein abwärts führende Treppe langsam hinuntergestiegen. Zwischen sommerlichen Gärten und Obsttoäumen öffnet sich der Blick. Uber das grüne Rheinwasser tief unten schwingt sich die moderne Brücke wie ein helles Band, — ein Band, das zwei Länder bin­det und eine Stadt in friedlichen Zeiten wieder zusammenfügt, die zu beiden Seiten des Flusses ihr verträumt und beschauliches Dasein bewahrt hat. Drüben um den Kirchberg gedrängt: das schweizerische Laufenburg mit seinen Bädern zum Kurort für erholun-gsuchende Schweizer geworden, und doch eine fast altertümliche Kleinstadt geblieben. Das deutsche Laufenburg ist den Steilhang des ausklingenden Schwarz­waldes hinaufgewachsen. Die Lebensader aber ist die Briipke, über die sich heute wieder das Leben drängt.

Ein tiefblauer Sommerhimmel wölbt sich über das saubere Städtebild mit den schmalen hohen Dächern. Nachtschwarz im Schatten breitet ein riesenhafter Adler auf einem Felsen seine Schwingen aus. Vom jenseitigen Ufer lesen wir später die Inschrift. Es ist ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges . Nur einen Steinwurf von ihm entfernt sehen wir Kinder unter Obhut einer Kindergärtnerin spie­len. Die Kleinen ahnen nichts von den schmerz­lichen Schatten, die jener Vogel auf dem ein­

samen Felsen in die sommerliche Landschaft trägt.

Im Zollhäuschen sitzen die diensttuenden Be­amten im Dämmerlicht. Der Stein der hellen Häuser hier blendet. Es ist mittags. Vom nahen Brunnen fällt der Wasserstrahl. Unter einem schattenspendenden Baum reihen Sich zahlreiche Motorräder, deren Besitzer tagsüber drüben in der Schweiz arbeiten oder nur zu einem kurzen Besuch auf die andere Seite gegangen sind.

.Die schmale aufwärtssteigende Straße, die durch den mittelalterlichen Torbogen führt, ist sehr belebt Laufenburg ist nicht mehr ein stil­les vergessene Städtchen, sondern wird immer mehr von dem Touristenstrom in den funkeln­den Omnibussen und Autos entdeckt. Zimmer gibt es in den beiden kleinen Hotels, von denen das eine mehr ein ländlich einfaches Gasthaus ist, im Sommer kaum ohne Vorbestellung.

Laufenburg liegt wie eine Ferieninsel einge­bettet zwischen der regen Industrie am Hoch­ rhein . Gerade aus diesem Grund wirkt es um so eihladender. Es grüßt als erste deutsche Stadt die Gäste aus der Schweiz . Es löst seine Aufgabe mit einladender Gastlichkeit. Hin-gebaut vor die blaue Kulisse der Schwarzwaldhäuge am Ufer des schnell dahinströmenden Rheines rufen die niedrigen, wohnlichen Häuser, die schmalen Treppen zwischen den Gärten und freundlichen Gaststätten den flüchtig es Durchziehenden zum Verweilen.

Jenseits des Torbogens liegt eines der schön­sten Freibäder am Oberrhein. Reizvolle Holz- flguren an den Zufahrtwegen werben zum Be­such des Gartenstrandbades, dessen intime und gepflegte Anlage verdiente noch .weiter hinaus bekannt zu sein.

Den heißen Sommemachmittag verbummeln wir hier draußen auf der Badewiese, die der Rhein begrenzt. In dem Schwimmbecken geben Gäste und Einheimische sich ein sommerliches Stelldichein. Es sind viele Schweizer unter ihnen. Sie fallen kaum auf, wenn sie sich -mit den Einheimischen unterhalten. Nür der Ein­geweihte wird die feinen Unterschiede in der Sprache zwischen den Laufenburgern der bei­den Seiten des Rheines erkennen.

Vom jenseitigen Ufer grüßen die Dörfer und Matten herüber. Über ihnen stehen die blauen Konturen der Juraberge. Die Jahre, da der Rhein eine unüberwindliche Grenze zwischen beide Länder zeichnete, sind im Augenblick vergessen. Das weite sonnenüberflutete Tal wächst in die­ser Stunde zu einer unlösbaren Einheit zusam­men, die uns um so eindringlicher zu Bewußt­sein kommt, da wir wissen, daß die Menschen schon mehr als einmal das von der Natur ge­zeichnete Band durch ihren Zwiespalt zerrissen haben.

In Laufenburg verlieren wir das Gefühl, in einer Grenzstadt zu sein. Die Blicke der Ein­heimischen sind fast mehr hinüber in die Schweiz gerichtet als nordwärts über den Schwarzwald . Zahlreich sind die verwandt­schaftlichen und freundschaftlichen Bande über die Grenze. Viele Einwohner der deutschen Seite arbeiten tagsüber in der Schweiz . In der Abendstunde haben wir uns wieder am Zoll­haus eingefunden. Es ist die Zeit, wo die deut­schen Grenzgänger wieder nach Hause kommen. Sie sind das lebende Zeichen dafür, wie sehr die eine Seite die andere braucht.

Der warme Sommerabend, an dem es nur langsam dunkelt, verlockt zum Plaudern im

Freien. Überall sind Menschen vor den Türen und stehen im Gespräch zusammen. Wir werden an manche im Süden verbrachte Abende erin­nert, wo es auch den Menschen hinaus auf die Straße trieb und geruhsame Gespräche sich bis tief in die Nacht hineinspannen. Am Zoll sam­meln sich viele Leute. Einheimische und Fremde. Sie bieten einander die begehrten schweizeri­schen Zigaretten an, deren Reklameplakate von dem jenseitigen Kaufhaus herüberleuchten. Fast immer spielt das Gegenüber des deutschen und des sthwizerischen Lebens die wichtigste Rolle im Gespräch. Es ist gleichsam der Boden, auf dem die für flüchtige Stunden hier zusammen­getroffenen Menschen sich finden.

Es ist reizvoll, in dieses Zusammengleiten zweier Länder einzutauchen. Mit unseren Freunden, die aus dem Inneren der Schweiz für einen Abend gekommen sind, steigen wir noch einmal die nun nachtdunklen Treppen zum Kirchberg hinauf. Von oben sehen wir, wie die Nacht die beiden Teile von Laufenburg mit den hellen Lichtern der Häuser und Straßen noch dichter zusammenwachsen gelassen hat als der Tag es tun konnte. Der Wind trägt das Rau­schen des Rheines in unsere Höhe hinauf. Rings herum das Land — die Schwarzwaldhöhen und die Juraberge und das hell schimmernde Fluß­tal — ist in nächtliches Schweigen gehüllt. Und langsam geschieht es, daß für uns diese kleine, kaum über das badische Land hinaus bekannte Stadt, die ein doppeltes Leben im deutschen und schweizerischen Bereich zu führen scheint, zum Symbol wird. Zum Symbol dafür, wie das L*en stärker als die von Menschen gezogenen Gren­zen sein kann und das wieder bindet, was künst­lich getrennt worden ist. M. Fr.