77 Will die Jungfrau Schuld und Noth Des Verbrechers auf ſich laden, So gibt Kaiſer Karls Gebot Uns das Recht, ihn zu begnaden. Willſt Du, Maid, daß Dir das Leben Dieſes Mannes ſei gegeben? Gertrud nickt bejahend.) 8(Zu Hunold gerichtet.) Du biſt frei! in Kaiſers Namen Löſ' ich Dich von Tod und Banden! Deinem Loss iſt ſie geweihet, Die vom Tode Dich befreiet. Doch Urfehde ſollſt Du ſchwören, Und wer Dich nach dreien Tagen Kann ergreifen und ereilen, Darf Dich rügefrei erſchlagen, Und ſie wird Dein Schickſal theilen. Scheideſt Du und kehreſt nimmer? Hunold. Ja! (Der Schultheiß wirft den Gerichtsſtab auf den Tiſch; das Schwert ſteckt er in die Scheide.) Gertrud (umſchlingt Hunold und nach einem langen, thränenüberſtrömten Blick). Leb' wohl, leb' wohl auf immer! (Sie eilt durch die platzmachende Menge auf die Brücke, von welcher herab ſie ſich in den Strom ſtürzt.) Hunold (noch in Ketten, die eben gelöſt werden ſollen, von den Stadtknechten feſtgehalten). Wehe, wehe! Gertrud! Wehe! Rögner(auf der Brücke). Todt, todt, todt mein Kind! Mein alles! Wehe ewig! Sie iſt todt! (Hunold zerreißt die Ketten, ſchleudert die Knechte zurück, eilt zum Strom.) Chor des Volks. Wehe, wehe, welch ein Ende! Wehe! Gottes Hand iſt ſchwer! (Während Hunold durch die Volksmenge zur Brücke eilt, fällt der Zwiſchen-Vorhang.)