I. Geschichtliche und statistische Mittheilungen.Obgleich die Petroleum-Industrie von Baku in ihrer derzeitigenhoch entwickelten Technik und gewaltigen Ausdehnung eine Schöpfungallerneuester Zeit ist, so darf trotzdem die Ausbeutung und Nutabar-machung der kaukasischen Naphta, nach allerdings primitiven Methodenund in nur geringem Umfange, als die historisch älteste Industrie ihrerL Art bezeichnet werden.Zum mindesten ebenso alt, wenn nicht noch älter, ist in derselbenGegend die Benutzung der dem Boden entströmenden brennbaren Gasebei dem Kultus der Feueranbetung. Es wird allgemein angenommen,daſs bei Baku schon im 6. Jahrhundert v. Chr. die Anbetung des Feuersgeübt wurde, und es ist nicht unmöglich, daſs Zoroaster, der Begründerdieses eigenthümlichen Kultus, dessen Heimath der nordöstliche Abhangdes Kaukasus gewesen sein soll, durch die nicht fern davon aus derErde hervortretenden Quellen brennbarer Gase und Oele zur Aufstellungseiner Lehre von Licht und Feuer angeregt worden ist. Spätere sichererverbürgte historische Nachrichten machen es wahrscheinlich, daſs schonvor unserer jetzigen Zeitrechnung Tausende von Pilgern nach den Tem-peln auf Apscheron zogen und daſs die dortigen heiligen oder ewigenFeuer bis zu den Zeiten Kaiser Heraclius, der die Tempel niederreilsenliels, also bis ins 7. Jahrhundert, fast ununterbrochen gebrannt haben.Auch jetat trat jedoch keine lange Pause ein; denn die Altäre wurdenWieder aufgebaut und der Kultus der Feueranbetung kam zu neuerBluthe, als nach Eroberung Persiens durch die Araber die dem altenGlauben treu gebliebenen Bewohner dieses Landes gezwungen wurden,sich in die entlegene Gegend bei Baku zurückzuziehen. Von anderenbersischen Feueranbetern, welche sich in dieser Zeit auf die Insel Ormusim persischen Golf flüchteten und später von da nach Bombay wandten,