4 Engler, über das Erdöl von Baku.leiten sich die noch jetzt in Indien über 100000 Köpfe starken Parsenab und von diesen letzteren gingen auch in späterer Zeit, als der heimischeKultus durch Islam und Christenthum verdrängt worden war, wieder-holt Priester nach Baku, wo sie bis in die neueste Zeit in den dortigenTempeln die heiligen Feuer unterhalten haben. Vor etwa 5 JahrenwWurde der Feuer-Dienst in dem letzten Tempel von Surakhani durchdie russische Regierung verboten und die heiligen Feuer sind damitwaährscheinlich für immer gelöscht worden. Von den letzten Feuer-—anbetern, welche ihren Kultus nur noch der dabei erhaltenen Almosenwegen ausübten und durch ihre Bettelei fremde Besucher belästigten,machen Augenzeugen eine nichts weniger als erbauliche Schilderung.Immerhin bieten aber die noch vorhandenen Tempel, deren einen, nochrecht gut erhaltenen, ich zu besichtigen Gelegenheit hatte, einen inter-essäunten Anblick dar. Der betreffende Tempel steht unmittelbar nebender groſsen Petroleum-Raffinerie der Balu' schen Naphita-Gesellschaft inSurakhani und besteht aus einem massiven quadratischen Baue, dereinen groſsen, ebenfalls quadratischen freien Hof umschlieſst und inseiner Bauart an ein altes Fort erinnert. Inmitten des Hofes steht einverhältniſsmäſsig kleiner, nach vier Seiten offener Tempel, der demAllerheiligsten des ganzen Baues entsprach. Die mit nur schwachleuchtender Flamme brennenden Gaseè entströmten dem Boden an ver—schiedenen Stellen unmittelbar und brannten, oder sie wurden durchgemauerte Kanäle weitergeleitet, um in kleinen schornsteinartigen Auf-sützen, welche sowohl den quadratischen Hauptbau an verschiedenenStellen, als auch den mittleren kleinen Tempel krönen, während desGottesdienstes herauszutreten und in hohen Flammen emporzulodern.Da in der Gegend, in welcher die brennbaren Gase ausströmen,auch an vielen Stellen die rohe Naphta frei zu Tage tritt, geht auchdie Kenntniſs dieses letzteren Vorkommens voraussichtlich ebenso weitzurück als diejenige der heiligen Feuer. In dieser Beziehung ist derBericht Marco Polo's, welch letzterer in der zweiten Hälfte des 13. Jahr-hunderts auf seiner Reise nach Innerasien mit seinem Vater und Oheimauch Baku besuchte, von groſsem Interesse. Er beschreibt darin dieVerwendung der Naphta, welche in damaliger Zeit durch Kameltrans-port in die benachbarten Districte, ja bis in die Gegend von Bagdadverbracht und zum Brennen verwendet wurde.(Noch heutigen Tageswird an einigen Orten Rufslands rohes Erdöl auf primitiven LEampen ge-