r 2 283 Engler, über das Erdöl von Baku. 5 brannt.) Besonderes Interesse bietet der Bericht Marco Polo's über eine schon damals bekannte natürliche Springquelle, welche so gewaltige Massen von Naphta ausgeworfen haben soll, daſs sich binnen einer Stunde hundert Schiffe damit befrachten lieſsen. Die Ausbeutung der Naphta auf der Halbinsel Apscheron war, ent- sprechend dem sehr häufigen Besitzwechsel zwischen Persien, Armenien und Rufsland, vielerlei Wandlungen unterworfen und erst, nachdem Baku und dessen Umgebung im J. 1801 an Ruſsland gefallen war, kam auch die Naphtagewinnung in geregeltere Bahnen. Immerhin war auch dann noch die Production, welche von der russischen Regierung an Mirxoeſf verpachtet wurde, eine sehr geringe; sie betrug nach Marvin selbst in den J. 1836 bis 1860 nur etwa 3500t jährlich und auch von dieser Zeit ab, da man nach dem Vorgange Amerikas doch einen raschen Aufschwung hätte erwarten sollen, hob sich die Production, wohl hauptsächlich in Folge des von der russischen Regierung einge- führten Monopols, nur ganz allmählich. In diese Zeit fallen auch die ersten Versuche der Darstellung raf- finirter Brennöle. Merkwürdigerweise ging man dabei jedoch nicht von der so nahe liegenden Naphta als Rohmaterial, sondern von der in dortiger Gegend allerdings auch in bedeutender Menge sich findenden Erdwachs artigen, an Asphalt reichen Masse,Kirr genannt, aus. Schon Mitte der 50er Jahre bemühte sich ein Baron Thornau in dieser Rich- tung und derselbe vereinigte sich bald darauf mit einer dortselbst auf, tretenden Petersburger Unternehmung: Transtaspischée Handelsgesellschaft, um in Gemeinschaft mit dieser, nach dem Vorbilde der Darstellung von Photogen in England, Deutschland u. a., durch trockene Destillation bituminòser Stoffe Leuchtöl zu gewinnen. Man wendete sich, was noch nicht allgemein bekannt sein dürfte, in dieser Sache an keinen anderen als an Justus v. Liebig und auf Erund seines Gutaohlens und seiner Pläne wWurde die erste Habriſt zur Darstellung raſfinirten Brennöles àau Surakhani bei Baku errichtet. Als Rohmaterial diente derKirré, der zuerst aus- geschmolzen und dann in liegenden Retorten trocken destillirt wurde. Moldenſiauer, ein Assistent Liebig's, welcher im J. 1859 von letzterem nach Baku geschickt worden war und den Bau der Fabrik bei Surak- hani geleitet hatte, überzeugte sich jedoch bald, daſs der nur 15 bis 20 Proc. eines sehr schweren Oeles lieferndeKirr sich nicht eignete und schritt dazu, dieNaphta durch Destillation auf Brennöl zu verar-